Die Reise zu sich selbst

Delia schmunzelte. Hie und da hatte sie immer noch den Eindruck zu träumen, obwohl sie wacher war als jemals zuvor in ihren Tausenden von Leben. Und dennoch war dieses neue Erwachen so anders, als sie es sich vorgestellt hatte. Wie wollte man einer Raupe erklären, was Fliegen bedeutete? Musste sie es nicht einfach selbst erleben?

Das kleine Mädchen hatte sich getraut, aus dem Rad des Müssens auszusteigen. Hatte sich mutig aus jeglichen Systemen befreit und sich seinen Ängsten und Wunden gestellt. Mit zitternden Knien und einem Flackern in den Augen, doch einer Entschlossenheit, die wahrer innerer Stärke entsprang. Die Kleine hatte hingehört und gelernt, Neues entdeckt und Altes losgelassen. Immer weiter hatte sie sich von dem entfernt, was sie dachte zu sein oder sein zu müssen und hatte stattdessen immer weitere Gefilde erkundet.

Mit der Zeit hatte sie ihren wahren Wert erkannt und gelernt, auch diesen in seiner vollen Größe anzunehmen. Sie hatte auch ihre wirkliche Bestimmung entdeckt, ihren tatsächlichen Kern und hatte gleichzeitig aufgehört, an all die Zweifel in sich zu glauben. Das Mädchen ging für sich alleine und war dennoch nie allein. Sie ging mit einem vollen Koffer los und kam mit einer leeren Tasche, dafür mit einem erfüllten Herzen zurück. Sie war weit gereist, um letztendlich in der tiefsten Stelle ihrer selbst anzukommen. Sah sie, wie wunderschön sie war? Was für ein inspirierendes Wesen sie der Welt schenkte? Konnte ein Schmetterling erkennen, was für eine zauberhafte Berührung sein Anblick in einem Herzen hinterließ?

Delia begann zu singen. Die klaren und hellen Töne hallten von den Felswänden wieder und umhüllten sie in einer Intensität, dass sie das feine Vibrieren um ihren ganzen Körper spüren konnte.

Sie stand auf und setzte die Hände wie einen Trichter vor ihren Mund. Was für ein Gefühl, hier zu stehen und sich selbst in einen Kokon von Klängen zu hüllen. Sie sang zum Mond, der hinter den Bergen aufging. Und sie sang zur Sonne, die auf der anderen Seite der Erde ihr Licht ausstrahlte. Sie sang für das Feuer, das Kraft schenkte und Transformation ermöglichte. Für das Wasser, das tiefste Empfindungen zuließ und die Weisheit in sich speicherte. Und sie sang für ihre Liebe. Für sich selbst. Und für ihn.

Ihr Herz weit geöffnet, sandte sie die Botschaft ins Universum, dass sie bereit war für das, was zu ihr wollte. Sie spürte die neue Welle der Transformation bereits in ihrem Innersten und fühlte das Lächeln ihres Herzens. 

(Ausschnitt aus dem Roman „Herzensblicke“)

2 Kommentare zu „Die Reise zu sich selbst

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