Schatten der Nacht

„Was passiert denn, wenn ich mir meine Schatten anschaue?“

„Es kommt darauf an, mit welchem Bewusstsein du auf sie zugehst. Aber letztendlich wirst du erkennen, dass es nichts gibt, was ein Schattendasein führen müsste. Da ist Dunkelheit in dir, ja. Aber Dunkelheit ist nichts Schlimmes. Wir brauchen die Dunkelheit, um das Licht zu sehen, weil wir uns momentan in dieser Realität befinden. Wenn wir jedoch die Dunkelheit verurteilen und sie in uns selbst abspalten, dann entsteht ein Ungleichgewicht.“

„Das wäre ja, wie wenn wir nur noch am Tag leben wollten. Dabei ist die Nacht so herrlich.“ Ruth blickte sich um, soweit sie noch etwas erkennen konnte.

„Wenn du die Dunkelheit in dir aussperrst, so verschließt du gleichzeitig auch allem Magischen, Tiefgründigem oder Nährendem in dir die Tür. Außerdem ist es erst durch die Dunkelheit möglich, das Licht in uns wahrzunehmen.“

Delia rückte etwas näher zu Ruth und fügte leise hinzu: „Versuch einmal die Essenz der Nacht einzuatmen. Gibt es da etwas Verwerfliches dabei?“

Ruth versuchte, sich für die Essenz der Dunkelheit zu öffnen. Sie spürte, dass Delia sie auf feinstofflicher Ebene dabei unterstütze.

„Dunkelheit lässt die Masken fallen.“

„Ja, wenn du dich der Dunkelheit hingibst.“

Ausschnitt aus dem Buch „Herzensblicke“ ❤

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