„Also kann ich nichts tun, um Ruth zu unterstützen?“, warf Liliane ein.
„Doch, das kannst du. Du kannst auch Ruth vertrauen. Ihr ihre Verantwortung für ihr Leben liebevoll zugestehen, denn das eröffnet Raum für sie, um selbst richtig zu atmen. Und dann kannst du natürlich für sie da sein, wenn sie von sich aus Hilfe möchte.“
„Das klingt so einfach.“ Liliane schmunzelte.
„Ist es auch!“ Delia lachte. „Wir haben nur leider gelernt, uns immer wieder in das Leben anderer einzumischen – und sei es auch nur gedanklich – anstatt in unserem eigenen Leben richtig präsent zu sein“, fügte sie etwas ernster hinzu.
„Deine Präsenz in dir selbst entscheidet darüber, wie sehr du im inneren Gleichgewicht sein kannst. Aus dieser inneren Mitte heraus kannst du viel eher ein Leuchtturm für sie sein, als wenn du mit ihr mitschwingst. Einzig den Kick vom Drama musst du vergessen können, denn den gibt es dann nicht mehr.“
Delia lächelte und drückte die Hand von Liliane. Sie wusste aus eigener Erfahrung, wie schwierig es sein konnte, jemandem nicht einfach so unter die Arme zu greifen. Doch sie hatte auch erleben dürfen, wie viel Kraft zum Gegenüber zurückfließen durfte, wenn man bei sich selbst bleiben konnte. Gerade auch durch das unausgesprochene Signal des „ich traue es dir zu“ konnten ganze Themen ins Fließen kommen.
Ausschnitt aus dem Buch „Herzensblicke“ ❤
